Gabriel: Sicherheit vor Profit

Umwelt

Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Als Konsequenz aus der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Betreiber aufgefordert, risikoträchtige ältere Meiler so bald als möglich vom Netz zu nehmen.

Umweltminister Sigmar Gabriel hat an die Atomkraftwerksbetreiber appelliert, die ihnen zustehenden Restlaufzeiten endlich auf moderne Kraftwerke zu übertragen. Er halte es "für nicht vertretbar, das die Konzerne von dieser Möglichkeit des Atomgesetzes keinen Gebrauch machen",sagte Gabriel im Interview mit dem Tagesspiegel (Mittwoch-Ausgabe).

Die Energiekonzerne forderte er auf, "die Lehren aus den Vorfällen in Krümel und Brunsbüttel zu ziehen und risikoträchtige ältere Kraftwerke so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen". Die Betreiber täten dies bislang nicht, weil sie mit den alten abgeschriebenen Meilern täglich eine Million Euro Gewinn machten, kritisierte er.

Im Atomkraftwerk Krümmel hatte am 28. Juni zunächst ein Transformator gebrannt, anschließend traten mehrere Pannen bei der Notabschaltung des Atomkraftwerks auf. Immer noch ist unklar, was in der Leitwarte, dem Kontrollzentrum des Atommeilers, genau geschah. Am gleichen Tag fiel außerdem das zweite Vattenfall-AKW Brunsbüttel nach einem Kurzschluss aus. Anschließend wurden bei beiden Atomkraftwerken, die in unmittelbarer Nähe der Millionenstadt Hamburg stehen, nach und nach mehrere weitere Pannen und Ungereimtheiten bekannt.

Fehlverhalten und massive Kommunikationsprobleme in Krümmel

Deshalb hatte auf Weisung von Sigmar Gabriel am Montag ein Treffen von Reaktorexperten des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein mit Vertretern von Vattenfall stattgefunden. Bei dem Gespräch habe der Konzern lediglich zur Klärung technischer Abläufe bei den Zwischenfällen beigetragen, aber die Befragung der am Unglückstag für den Reakorbetrieb zuständigen Mitarbeiter des Kraftwerks Krümmel verweigert. "Das werden wir nicht hinnehmen", stellte der SPD-Minister klar.

Vattenfall muss zur Aufklärung der Vorfälle beitragen

Er warf dem Energiekonzern Vattenfall nicht nur "Fehlverhalten" bei der Bedienung des Atomreaktors Krümmel vor, sondern auch mangelnde Mithilfe bei der Aufklärung der Störfälle vor. "Wenn Vattenfall eine direkte Befragung von Mitarbeitern durch die Atomaufsicht verhindern will, dann behindert das Unternehmen eine lückenlose Aufklärung. Das wäre nicht akzeptabel."

Gabriel kritisierte, dass es bei dem Zwischenfall im AKW Krümmel in der Dienst habenden Schicht "offenbar zu massiven Kommunikationsproblemen gekommen" sei, die es "in einem solchen Fall nicht geben darf". Deshalb will die Atomaufsicht die Ursachen dafür in einem Gespräch mit den Mitarbeitern aufklären.

Prüfung der Sicherheitskultur völlig berechtigt

Als "völlig berechtigt" bezeichnete der Bundesumweltminister, dass die für Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) prüfen wolle, ob Vattenfall, das gemeinsam mit E.ON die drei Atommeiler Brunsbüttel, Krümmel und Brokdorf betreibt, noch einen sicheren Betrieb gewährleisten kann.

Unterdessen hat Vattenfall am Dienstag neue Probleme im Atommeiler Krümmel eingeräumt. So seien in Krümmel falsche Dübel montiert. An Wartungs- und Montagebühnen seien 14 Dübel "auffällig"; in einem Gebäude mit zwei Notstrom-Dieselgeneratoren wurden zwei Dübel gefunden, die nicht "den spezifischen Anforderungen" entsprächen. Für die Stabilität der Bühnen gelten besondere Anforderungen. Sie müssen etwa erdbebensicher sein, weil die Kühler für den Betrieb der Diesel notwendig sind und diese für einen Notfall in der Stromversorgung des Atomkraftwerks zur Verfügung stehen müssten, so Vattenfall. Wegen ähnlicher Probleme ist bereits der RWE-Atommeiler in Biblis seit längerem außer Betrieb.

Auch aus dem Atommeiler Brunsbüttel, der zehn seiner 30 Betriebsjahre wegen technischer Probleme stillgestanden hat, gab es am Dienstag die nächste Meldung einer technischen Panne. Der Stromkonzern teilte mit, dass in Rohren zunehmend Wasserstoff entstehe - 2001 hatte eine Wasserstoffexplosion in einem Rohr in Brunsbüttel schwere Schäden verursacht. Die zuständige Landesministerin Gitta Trauernicht (SPD) sprach von einem "weiteren Fehler am Reaktor des Kernkraftwerks Brunsbüttel". Das Messleitungssystem zur Überwachung des Reaktorfüllstandes müsse binnen zwei Wochen gespült, die Leistung des Reaktors zwischenzeitlich reduziert werden.

Bundesamt für Strahlenschutz: 944 Störfälle in sechs Jahren

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) teilte mit, dass es in deutschen Atomkraftwerken von Anfang 2000 bis Ende 2006 zu 944 meldepflichtigen Störfällen gekommen sei. Seit 1993 sind insgesamt sogar 1945 Störfälle amtlich vermerkt. Auffällig sei die hohe Zahl an Störfällen bei älteren Atomkraftwerken. Mit alleine 437 Störfällen seit Inbetriebnahme 1976 ist das AKW Brunsbüttel Spitzenreiter. Bei dem ebenfalls 1976 ans Netz gegangenen Meiler Neckarwestheim sind bis heute 408 Störfälle bekannt. In Krümmel gab es 302 Störfälle. "Ältere Atommeiler sind auf jeden Fall anfälliger als jüngere", bilanzierte BfS-Sprecher Joachim Gross die amtlichen Daten.

Nach den zahlreichen Pannen der vergangenen Tage kündigte Umweltminister Gabriel an, dass das Atomkraftwerk Krümmel bis mindestens Ende August abgeschaltet bleibe. Krümmel werde nur mit Zustimmung des Bundesumweltministeriums in Berlin wieder ans Netz gehen, "wenn die Ursachen vollständig geklärt und mögliche Defizite beseitigt sind", versicherte der Minister.

 
 

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